Telli Hochhäuser
Die Telli ist für Schweizer Verhältnisse gross, ihr Bausystem ist rigide. Die Wohnqualität in der Siedlung ist dank des klugen städtebaulichen Konzepts und der weitläufigen Parklandschaft dennoch hoch.

Die Eigentümerin AXA war sich der baulichen und sozialen Qualitäten der Aarauer Siedlung bewusst, als sie 2015 beschloss, ihre beiden Wohnzeilen, Telli B und C, für weitere 40 Nutzungsjahre instand zu setzen. Auch war klar, dass die Sanierung der 581 Wohnungen eine Herausforderung werden würde. Die vorhandene Gasheizung in Kombination mit der energetisch schlechten Gebäudehülle war der grosse Knackpunkt. Nach den Standards der 1970er-Jahre erbaut, kannte die Ortbetonstruktur weder thermische Bauteiltrennungen noch Dämmungen, die ihren Namen verdienten. Das und der hohe Glasanteil führten zu einem massiven Heizenergieverbrauch.
Allein die Ortbetonstruktur mit ihren über die Längsfassaden durchgehenden Balkonen energetisch zu ertüchtigen, wäre kompliziert genug gewesen. Hinzu kam, dass die Telli unter kommunalem Ensembleschutz steht. Es galt deshalb, das einheitliche Erscheinungsbild der gesamten Siedlung im Zuge der Sanierung zu bewahren. Allerdings lassen die Vorgaben zum Ensembleschutz Gestaltungsspielräume offen, «um Konflikte zwischen Gebrauchswert und Alterswert weniger rigide auszutragen», wie es Architekt Markus Peter ausdrückt. «Das interessierte mich.» Deshalb, und weil Sanierungen und Umbauten grosser Strukturen das Büro Meili, Peter & Partner seit vielen Jahren begleiten, sagte der Architekt gerne zu, eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung der Telli zu erarbeiten. Die AXA reduzierte die Aufgabe angesichts der kniffligen Ausgangslage auf drei Anforderungen: Sie verlangte erstens ein Konzept für die energetische Sanierung der beiden Häuserzeilen, mit dem sich zweitens ein anerkanntes Schweizer Nachhaltigkeitszertifikat erreichen liesse. Drittens sollten die Arbeiten in bewohntem Zustand und mit Rücksicht auf die Bewohnerschaft erfolgen. Letzteres erschwerte das Vorhaben zwar erheblich, doch 581 Mietparteien auf einmal zu kündigen, hätte zum einen den Wohnungsmarkt in Aarau überfordert und zum anderen die sozialen Strukturen im Quartier zerstört – zumal nicht wenige seit Jahrzehnten in der Siedlung wohnten.
hochparterre.ch am 4.8.2023
De Bary Hochhäuser


Die ersten zwei De-Bary-Hochhäuser wurden 1960/61 gebaut, 1962 kommt wird die Autobahn als Beilage hinzu. De Barys Seidenfabrick und Bürogebäude blieb noch bis 1970 stehen und wurde danach durch Kindergärten und weitere 2 Hochhäuser ersetzt.
Die drei institutionellen Eigentümer des Areals einigten sich 2010 darauf, eine Verdichtung zu prüfen. Wir erhielten den Auftrag für eine Machbarkeitsstudie, um diesbezüglich Lösungen bei gleichzeitigem Erhalt der wertvollen baulichen Strukturen und Grünräume zu entwickeln. Im Entwurfsprozess wurde schnell klar, dass der Anbau an der ehemaligen Brandwand eine bedeutende Verdichtung des Areals ermöglicht, ohne das städtebauliche Gefüge und die bestehende Parklandschaft wesentlich zu verändern. Ein Abbruch der bestehenden Hochhausscheiben war insofern nie ein Thema.
aufbruch-statt-abbruch.ch am 5.8.2024
Sind Hochhäuser eine gute Antwort auf die Klimakrise?
Das Schwammstadtkonzept, das auf Verdunstung, Versickerung, Retention, temporären Flutungen und Notwasserwegen beruht, ist ein integraler Lösungsansatz zur Vermeidung von Schäden durch Oberflächenabfluss und zur Verminderung der Hitzebelastung. Der oben vorgeschlagene Ansatz ist verschiedentlich bereits umgesetzt und anhand zweier Beispiele beschrieben.

Ein Beispiel für die gelungene Verbindung von Funktion und Gestaltung ist der Retentionssee im Zentrum des Projektes Arkadien Winnenden in Stuttgart. Er schafft eine besondere Atmosphäre in der Siedlung, ist Lebensraum für Flora und Fauna und kann bis zu 90m3 Regenwasser zwischenspeichern, bevor es verzögert in den angrenzen Bach abfliesst (Abb. links). Der See wird ergänzt durch ein Rinnen- und Muldensystem, wodurch das Gesamtgebiet komplett ohne Regenkanalisation realisiert werden konnte.
Ein gutes Schweizer Beispiel dieser Art ist der 2006 gebaute See im Opfikerpark in Opfikon (ZH). Der rund 2,3 Hektar grosse See wird im Wesentlichen durch das Dachabflusswasser der angrenzenden Bebauung gespeist. Im Extremregenfall fungiert er als Retentionsspeicher. Ab einer bestimmten Höhe fliesst das Regenwasser über in die Glatt. Der See ist ein beliebter Natur- und Erholungsraum. Dank der guten Wasserqualität kann darin sogar gebadet werden.

Das Rückhaltebecken im Gebiet Wigarten in Wetzikon (ZH) wurde Mitte der 1990er-Jahre im Zusammenhang mit der Erschliessung und Überbauung des Quartiers erstellt. Gemäss Entwässerungskonzept ist das Gebiet im Trennsystem zu entwässern. Wegen des undurchlässigen Bodens und der Topografie kann das Regenwasser nur schlecht versickern. Die nahe gelegenen Gewässer Vogelsangbach und Lendenbach sind bereits überlastet. Mit dem Bau des Rückhaltebeckens können die im Gebiet Wigarten anfallenden Regenwasserspitzen abgefangen und dosiert in den Bach weitergeleitet werden. Das Gebiet mit seinen rund 100 Hochstammbäumen, Hecken- und Randstrukturen hat sich inzwischen zu einem Naturschutzgebiet von kommunaler Bedeutung entwickelt (Abb. rechts)


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