Heute sind wir es gewohnt, dass unsere Gärten Orte voller fremder und exotischer Pflanzen sind. Rosen, Jasmin, Fuchsien, Chrysanthemen und Rhododendren blühen in Gärten überall auf der Welt, und viele der gängigsten Sorten stammen aus fernen Ländern. Diese Entwicklung ist zu einem großen Teil dem „Wardschen Kasten» zu verdanken: einem Kasten aus Holz und Glas, der im Grunde ein bewegliches Terrarium war und von dem Londoner Chirurgen und Amateur-Naturforscher Nathaniel Bagshaw Ward (1791-1868) entwickelt wurde. Die Erfindung fiel in die Zeit der globalen kolonialen Expansion, so dass die innovative Vorrichtung, mit der lebende Pflanzen erfolgreich transportiert werden konnten, anfangs begeistert aufgenommen wurde. Im Laufe des folgenden Jahrhunderts trug der Wardsche Kasten zur Veränderung der globalen Umwelt bei.

Der Wardsche Kasten war nicht nur an der kolonialen Ausbeutung beteiligt, sondern auch mitschuldig an einer ganzen Reihe von komplexen ökologischen Veränderungen. Eine Kiste mittlerer Größe enthielt nicht nur Pflanzen, sondern auch über 55 Liter Erde, die unbeabsichtigt viele andere Arten wie Pilze, Algen, Fadenwürmer, Insekten, Milben und Krankheitserreger transportierte. Einige von ihnen, aber auch viele der Pflanzen, wurden zu einer ernsthaften Bedrohung für die Ökosysteme, in die sie umgesiedelt wurden.
Ironischerweise galt der Wardsche Kasten nicht nur als Unglücksbote, sondern auch als Heilsbringer. So wurden beispielsweise Insekten rund um den Globus transportiert, die sich von Schädlingen oder außer Kontrolle geratenen invasiven Pflanzen ernähren sollten; manchmal war dies – wie beim Transport der Kaktusmotte in Australien, die die Ausbreitung des Feigenkaktus in den 1920er Jahren stoppte sehr erfolgreich; häufiger jedoch hatte die biologische Kontrolle katastrophale Folgen, wie etwa das Aussterben der Kokosnussmotte auf den Fidschi-Inseln. In den 1940er Jahren verboten die meisten Länder die Einfuhr von Erde, und die Produktion des Wardschen Kastens wurde sukzessive eingestellt.
Mit der Ausstellung wollten wir untersuchen, welche Ideen und Vorstellungen unser heutiges Garten ideal geprägt haben, und herausfinden, welchen Beitrag Gärten zu einer nachhaltigeren Zukunft leisten können, die für alle lebenswert ist.
Aus dem Ausstellungskatalog ‚Garden Futures‘