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Erfahrungsbericht und Gedanken zu Velotaxi Basel

2011 feiert Velotaxi Basel sein 1-jähriges Bestehen im Sriveda Restaurant. Die Interessierten erhalten einen Einblick in den Betrieb.

Das Velo gibt es als wertvolles Sammlerobjekt, als ultraleichtes Sportgerät oder zum Unterstreichen eines bestimmten Lebensgefühls. Für die meisten ist es aber das praktische Fortbewegungsmittel, um von A nach B zu gelangen. Und damit sind wir schon mitten im Thema, dem Taxi-Kleinstbetrieb. Dem ist der heutige Abend gewidmet. Davon erzählt der poetische indische Film ‚Amal‚ von Richie Mehta, 2007, 101 Min.

Unter einer Rikscha stellen sich die meisten Menschen das abenteuerliche Fortbewegungsmittel in Delhi oder Shanghai vor. Das Angebot bietet dort eine unverzichtbare Alternative zum eigenen Auto oder öffentliche Verkehrsmittel, die in den vollen Strassen kaum pünklich ans Ziel kommen. Rikschas sind offen gebaut, sie lassen den Fahrgast an der Atmosphäre der Strasse teilhaben. Wer in der Rikscha sitzt, bewegt sich so gesehen inmitten einer grossen Dorfgemeinschaft. Was für ein Kontrast zum hermetischen Abwickeln von Verkehr, wie wir ihn in unseren Breitengraden kennen. Die Frage ist, ob sich Rikschas auch hier durchsetzen würden, wenn man sie auf unseren Strassen fahren lässt.

In den letzten Jahrzehnten verdichtet sich der Verkehr um die Städte herum, auf den Ringstrassen. Mit dem Sperren überlasteter Transitachsen werden die historischen Zentren zur Zone des Langsamverkehrs. Dieser Prozess verstärkt den Druck auf die Wiederinbetriebnahme eingestellter Tramlinien. Seit den Nullerjahren erlebt die Strassenbahn eine Renaissence, welche die sogenannte Mobilitätswende vorantreibt.

Den Verkehr updaten

Die Schweiz bestellt anlässlich der Expo02 im grossen Stil Velotaxis von dem noch jungen Unternehmen namens Veloform in Berlin. Nebst dem Velokurier in Biel fährt auch eine Velokompanie in Murten diese Fahrzeuge auf dem Ausstellungs- und Stadtgebiet umher. Die Umrüstung der Fahrzeuge für typsich schweizerisches unebenes Terrain, besorge der Elektrofahrzeug-Pionier Joseph Kasbauer aus Österreich. Der Missing Link in der Evolution von 4- zu 2-rädrigen, die Pedaline in St. Gallen verschte mit den zuständigen Behörden die Zulassung in der Schweiz auszuhandeln. An der Expo02 waren die Fahrzeuge tatsächlich auf der Strasse zugelassen. Mit Sonderbewilligungen nur. Die Fahrer hatten auch eine Prüfung zu absolvieren. Die Taxis benötigten auch Taxmeter und andere Schikanen mehr. Die Velotaxis verschwanden nach der Expo02 wieder. Danach waren die Fahrzeuge für faxi.at in Wien im Einsatz, wo die Fahrzeuge als Velo zugelassen sind.

Bilder von Christoph Ertelthalner faxi.at, vertont von Karen Schlimp, pianomobile.com.

Kurzer Einblick in den Betrieb

Während der Sommerferien suchte ich Aushilfekräfte, die für mich in die Pedale treten würden und ich fand sie nach Erscheinen eines Zeitungsartikels über die Velotaxis spielend. Wir gingen teilweise zu zweit auf Tour und eroberten den neuen Velotaxi-Markt. Über all da, wo wir vorfuhren, kamen danach nach dem Schneeballeffekt weitere Anfragen hinzu. Das Geschäft lief gut an und das Konzept schien zu funktionieren.

Es ging nun darum, das Angebot hochwertig zu positionieren und Promotionpartner zu finden, zum Beispiel aus dem Kulturbereich, dem Detailhandel, Pharmabranche. Gleichzeitig entwickelte ein Pedaleur, der sich im Projektmanagement auskannte, einen Rundkurs vom Bruderholzspital zum Wasserturm, Predigerhof und weiter. Das war auch der Praxistest der eigens auf Steigung ausgelegten Fahrzeugantriebs. Es funktionierte, aber die Saison ging damit bald zu Ende und es ist der Zeit, Bilanz zu ziehen:

Hochzeiten: 10
Verkaufte Gutscheine: 30
Gebuchte Fahrten: 2x in der Woche
Gebuchte Fahrten Einnahmen: Fr. 70.– / h
Spontanfahrten an 2 Tagen / Woche zu ca. 4h
Spontanfahrten Einnahmen: Fr. 400.– / Monat
2 Strassen- und Quartierfeste
3 Firmenevents

Ich beginne mit einem eigens entwickelten Web-Tool Buchungen online aufzunehmen. Als nächstes würde ein Taxiruf via SMS in Echtzeit hinzukommen. Velotaxi Basel benötigt vermutlich schon die kommende Saison zusätzlich Fahrer mit viel Lust an Bewegung.

Über die Zukunft des Velotaxis

Das Jahr darf als Erfolg abgebucht werden, die Sponsor sind zurfrieden und haben die Unterstützung 2012 teilweise schon zugesichert. Das ist ein toller Etappensieg für Velotaxi Basel. Als nächstes soll ein Shuttledienst vom Bahnhof Basel SBB zum Messeplatz aufgezogen werden. Auch längerfristige Ziele werden ins Auge gefasst: Velotaxis sollen aus eigenen Photovoltaikanlagen Energie gewinnen, während sie auf dem Parkfeld parken. Eine Vision nur, aber das inzwischen recht prominente Velotaxi Basel könnte zeigen, wie’s geht.

Nun sind wir am Ende dieser 3-Rad-Chronik angelangt. Wie fühlt es sich aber an, sich als Rikschafahrer in den Strassen einer Grossstadt? Die beherzte Begegnung des Rikschafahrers Amal mit dem Millionär G.K. Jayaram als Gast – wer Lust hat sieht sich anschliessend den Film an und bleibt danach noch zum ayurvedisches Essen mein Gast.

Velotaxi Basel in der Rheingasse, Video von Dora Moser mit Gesang von Emma Stirnimann unterlegt facebook.com

Basel 2011, leicht redigiert 2026 (vollständig lesbar für Abonennten)