Überbauung im Hirschpark von Vischer und Weber Architekten.
Das Gellert-Quartier ist seit dem letzten Jahrhundert eine der bevorzugten Wohngegenden der Stadt Basel. So ist es nicht verwunderlich, dass der in den Dreissigerjahren aus Deutschland in die Schweiz emigrierte Fabrikant und Kunstsammler Baron Robert von Hirsch hier das Refugium für sich und seine umfassende Kunstsammlung fand. Nach seinem Tode erwarb die Basler, Versicherungs-Gesellschaft das Grundstück, um hier Wohnraum für gehobene Ansprüche zu schaffen und insbesondere auch die prachtvolle Parkanlage mit dem schönen alten Baumbestand zu erhalten. Zu diesem Zwecke beauftragte sie vier renommierte Basler Architekten, Studien auszuarbeiten, um eine auf den Park abgestimmte Wohnüberbauung zu erstellen.
Kappelle und Anwesen Engelgasse 55 (Bildmitte) um 1958, Staatsarchiv Basel-Stadt, BALAIR 58049
Dabei war der städtebaulichen Einordnung, der hohen Wohnqualität und der Erhaltung des Baumbestandes in seiner vollen Schönheit besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Das zur Ausführung gelangende Projekt der Architekten Florian Vischer und Georges Weber, BSA/SIA, Basel, erfüllt diese Bedingungen in hohem Masse.
Zur Erinnerung an den Kunstmäzen, Freund der Stadt Basel und Gartenliebhaber soll die Überbauung den Namen «Im Hirschpark» tragen.
Text aus dem Prospekt Überbauung ‚Im Hirschpark‘, Basler Versicherungsgesellschaft, Vischer und Weber Architekten um 1981.
Die Parkgestaltung bis Ausgang des letzten Jahrhunders noch mit Referenz zum Adel. Mit dem Klimawandel wird dieser Anspruch nicht mehr kritiklos hingenommen:
Seit einigen Jahren rücken Gärten vermehrt in den Mittelpunkt des gesellschaftlichen Interesses – nicht nur als romantisches Idyll, sondern als Experimentierfelder für soziale Gerechtigkeit, Biodiversität und Nachhaltigkeit. Gärten sind zu Orten der Avant garde geworden. […]
Es ist seine Exklusivität, die den Garten sowohl zum Refugium als auch zum Ort der Ausgrenzung macht, und zwar wortwörtlich. Das Wort „Paradies“ stammt von der persischen Bezeichnung für eine ummauerte Anlage und noch heute definieren die meisten Wörterbücher den Garten als einen Ort, der sich durch seine Einfriedung auszeichnet. Der Klostergarten des Mittelalters ist ein hortus conclusus, ein eingeschlossener Garten, abgeschottet von der Außen welt. In den Garten darf nichts Unerwünschtes, kein Ungläubiger, und schon gar kein Unkraut oder Ungeziefer schon gar nicht. Nichtmenschliche Organismen – Pflanzen und Tiere – werden nur zugelassen, wenn sie dem Zweck und Nutzen des Gartens unmittelbar zuträglich sind.
Genau dieses Paradigma, für das der Garten sinn bildlich steht – eine kontrollierte Natur dient dem Menschen als Versorgungs und Zufluchtsort –, herrscht zwar bis heute vor, verlangt aber auch dringend nach einer Neubewertung. Der jüngst verstorbene französische Philosoph Bruno Latour formulierte dies als Frage: „Sollen wir weiter eskapistischen Träumen nachhängen oder uns nicht doch aufmachen und ein für uns und für unsere Kinder bewohnbares Territorium suchen?“
Aus dem Ausstellungskatalog «Vitra Garden Futures – Designing with Nature», Virtra Design Museum 2025
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